Wenn du bei ChatGPT gefunden werden willst, brauchst du vor allem eins: Menschen und Systeme, die über dich sprechen. GEO, also Generative Engine Optimization, beschreibt genau das: die Optimierung deiner Sichtbarkeit in KI-Antworten wie ChatGPT, Claude, Perplexity oder der Google AI Overview. Anders als bei klassischem SEO gibt es dafür kein Analytics-Tool, das dir exakte Zahlen liefert.
Was zählt, sind Erwähnungen deiner Marke, egal ob mit oder ohne Link, auf möglichst vielen unterschiedlichen Kanälen: deiner eigenen Website, in Blogartikeln anderer, in Zeitungsartikeln, auf Instagram, in Podcasts.
Das haben wir mit Fabian Rossbacher besprochen, Gründer des SEO Day in Köln, der größten SEO-Konferenz Deutschlands. Seine klare Botschaft: SEO und GEO sind für ihn im Kern dasselbe Spiel mit denselben Regeln, nur dass am Ende keine blauen Links mehr angezeigt werden, sondern eine fertige Antwort. Wer bei Google gut gefunden wird, ist in der Regel auch bei ChatGPT und Co. vorne mit dabei.
Was ist GEO und wie unterscheidet es sich von SEO?
GEO ist die Optimierung deiner Online-Sichtbarkeit für KI-Systeme, die auf Suchanfragen mit einer fertigen Antwort statt mit einer Liste von Links reagieren. Klassisches SEO sorgt dafür, dass deine Website bei Google, Bing oder YouTube in den Suchergebnissen weit oben steht.
Fabian sieht darin kaum einen Unterschied: „Für mich ist das eigentlich immer noch search engine optimization, für viele andere auch in der Branche.“ Google hat seine eigene KI-Suche längst eingebaut, die sogenannte AI Overview, die direkt in den normalen Suchergebnissen erscheint. Der Unterschied zu früher: Du bekommst dort oft keinen Klick mehr auf deine Seite, sondern nur eine Erwähnung, eine Brand Mention.
Warum du bei ChatGPT plötzlich unsichtbar werden kannst
Das eigentliche Problem für Selbstständige ist nicht die KI-Suche selbst, sondern das, was danach fehlt: der Besuch auf deiner Website. Fabian erklärt, dass Google Interaktion als einen der wichtigsten Ranking-Faktoren wertet, also ob Menschen auf deiner Seite klicken, suchen oder sich registrieren. Wenn Menschen ihre Frage direkt in ChatGPT beantwortet bekommen, ohne je auf deine Website zu klicken, fehlt Google genau dieses Signal.
Nach Fabians Einschätzung verlieren manche Website-Betreiber dadurch 50 bis 70 Prozent ihrer Werbeeinnahmen aus Impressionen. Für dich als Selbstständige heißt das: Eine reine Klick-Strategie über Google reicht nicht mehr aus.
Wie du herausfindest, ob du bei ChatGPT gefunden wirst
Eine direkte Analytics-Funktion für ChatGPT gibt es nicht, das bestätigt auch Fabian: „Die ganze Industrie verkauft gerade wie höllisch Geo-Optimierung für die Kunden. Aber wirklich gemessen werden kann es nicht.“
Sein Werkzeug der Wahl ist deshalb die kostenlose Google Search Console, in der du siehst, für welche Keywords deine Website organisch gefunden wird. Seine Erfahrung: Wenn du bei ChatGPT gut gefunden wirst, wirst du in der Regel auch bei Google gut gefunden, weil die Systeme sich gegenseitig beobachten und ähnliche Signale auswerten. Steigt deine Sichtbarkeit in der Search Console, steigt sie meist auch in den KI-Antworten mit.
Erwähnungen statt Links: So wirst du in KI-Antworten sichtbar
Der wichtigste Hebel für GEO ist für Fabian die klassische Erwähnung, unabhängig davon, ob sie verlinkt ist. Seine Definition dazu: Eine Erwähnung ist jede Nennung deiner Marke oder deines Namens auf einer fremden Seite, einem Podcast oder in einem Artikel, die KI-Systeme beim Training oder Live-Abgleich aufnehmen und dir zuordnen.
Sein Tipp: Frag bei Partnern nicht direkt nach einem Link, sondern nach einer Erwähnung, das ist die niedrigere Hürde und führt oft trotzdem zum Link. Das Prinzip kennst du im Kleinen vielleicht schon aus Instagram, wo dieselbe Logik gilt, wie wir sie in unserem Artikel zur Posting-Strategie für mehr Reichweite beschrieben haben: Je öfter andere über dich sprechen, desto mehr Signale bekommt das System.
So ist Fabian selbst vorgegangen, als er mit seinem Gutscheinportal gutscheinfreund.de wachsen wollte: Er sah, dass ein Wettbewerber vom Fernsehsender SWR erwähnt wurde, schrieb die zuständige Redakteurin einfach an und bat um eine zusätzliche Nennung. Am nächsten Tag stand sein Link neben dem des Wettbewerbers im Artikel.
So erhöhst du deine eigenen Erwähnungs-Chancen:
- Suche dein Thema bei Google Places oder in der normalen Suche und sieh dir an, wer vor dir gelistet ist.
- Prüfe mit einem Backlink-Tool, wo diese Wettbewerber erwähnt oder verlinkt werden.
- Notiere dir jede Quelle, bei der eine Erwähnung realistisch erscheint: ein Branchenblog, eine Lokalzeitung, ein Podcast.
- Schreib die verantwortliche Person direkt an und frag konkret nach einer Erwähnung, nicht nur allgemein nach Aufmerksamkeit.
- Bleib dran und wiederhole das Vorgehen regelmäßig, denn eine einzelne Erwähnung reicht selten aus.
Was das konkret für dich als Selbstständige bedeutet
Stell dir vor, du bist Hochzeitsplanerin in Köln und jemand fragt ChatGPT nach einer guten Hochzeitsplanerin in deiner Stadt. Fabian beschreibt genau diesen Fall: Die KI kennt dich, wenn schon über dich gesprochen wird, z.B. auf deiner eigenen Website, aber genauso im Blogartikel einer Location, in einem Zeitungsartikel oder als Gast in einem Podcast.
Du musst also nicht mehr nur für Google schreiben, sondern dafür sorgen, dass dein Name an möglichst vielen Stellen im Netz auftaucht, die eine KI beim Beantworten einer Frage heranzieht. Das ist auch der Grund, warum wir bei getSocial den Marketing KI Club so aufgebaut haben, dass sich die Mitglieder gegenseitig unterstützen und erwähnen, statt in Konkurrenz zu denken. Zwei unserer Mitglieder sind zum Beispiel beide Trauerrednerinnen und supporten sich trotzdem gegenseitig, denn genau das ist die Art von Sichtbarkeit, die auch bei GEO zählt.
Die 5 goldenen Regeln für mehr Sichtbarkeit in KI-Tools
Am Ende unseres Gesprächs hat Fabian fünf Punkte zusammengefasst, die er für die Sichtbarkeits-Grundlage jeder Website hält, egal ob für Google oder für ChatGPT:
- SEO-Title: Für ihn immer noch das wichtigste Ranking-Kriterium einer Seite.
- Ladegeschwindigkeit: Mit Googles PageSpeed Insights lässt sich das kostenlos prüfen.
- KI zur Kontrolle nutzen: Lass Claude oder ein anderes KI-Tool deine fertige Seite gezielt auf SEO-Fehler durchsehen.
- Vorsicht bei rein KI-generiertem Content: Nach Fabians Erfahrung mag Google reine KI-Bilder nicht besonders. Ein selbst gemachtes Handyfoto schlägt außerdem oft ein generisches Stockbild oder KI-Bild.
- Laut sein: Erzähl allen von deinem Produkt, wenn du selbst dahinterstehst. Genau diese Sichtbarkeit ist es, die am Ende auch die Erwähnungen bringt, aus denen GEO entsteht.
Wichtig dabei: Sichtbarkeit heißt nicht automatisch Transparenz-Pflicht. Wenn du für deine Inhalte KI-Tools einsetzt, etwa für Bilder oder Videos, lohnt sich parallel ein Blick in unseren Artikel zur KI-Kennzeichnungspflicht auf Instagram, damit du auf der sicheren Seite bist.
Wie lange dauert es, bis sich GEO auszahlt?
Hier macht Fabian keine falschen Versprechen: Google braucht für organisches Ranking teils ein bis anderthalb Jahre, ChatGPT selbst einige Monate, bis neue Inhalte verarbeitet sind. Wer gerade erst startet, hat an keinem System Daten, und das ist völlig normal.
Seine Empfehlung für alle, die noch am Anfang stehen: Plane mit zwei parallelen Wegen, dem langfristigen organischen Aufbau über Content und Erwähnungen und einem schnelleren Weg wie direkter Ansprache deiner Zielgruppe oder kleinem Werbebudget, damit du nicht anderthalb Jahre warten musst.
Podcast-Folge zum Thema
Dieses Gespräch mit Fabian Rossbacher kannst du ausführlich in Folge #118 unseres Podcasts getSocial Business Talk nachhören: SEO & GEO 2026: Sichtbar werden in Google und den KI-Tools, inklusive vieler weiterer Beispiele und seiner persönlichen Learnings aus über 15 Jahren SEO. Fabian ist außerdem Gründer des SEO Day in Köln, der größten SEO-Konferenz Deutschlands, die 2026 bereits zum 15. Mal stattfindet.
Häufige Fragen zu GEO und Sichtbarkeit in KI-Tools
GEO steht für Generative Engine Optimization und beschreibt die Optimierung deiner Sichtbarkeit in KI-Antworten wie ChatGPT, Claude, Perplexity oder der Google AI Overview. Statt einer Liste von Links liefern diese Systeme eine fertige Antwort, in der deine Marke erwähnt wird oder eben nicht. Für Fabian Rossbacher ist GEO im Kern trotzdem Suchmaschinenoptimierung, nur mit einem anderen Ergebnis am Ende.
Nein. Nach Erfahrung von Fabian Rossbacher funktionieren beide Systeme sehr ähnlich und beobachten sich gegenseitig. Klassisches SEO bleibt die Grundlage, auf der GEO aufbaut: ein guter SEO-Title, eine schnelle Website und Inhalte, mit denen Menschen interagieren. Wer bei Google gut gefunden wird, ist in der Regel auch bei ChatGPT und Co. vorne mit dabei. SEO dient dir damit sogar als Messlatte für deinen GEO-Erfolg.
Ein eigenes Analytics-Tool für ChatGPT gibt es nicht. Es gibt zwar Software von Drittanbietern, die wichtige Prompts regelmäßig abfragt und die Antworten auswertet. Ob daraus aber Besuche auf deiner Website oder Käufe entstehen, lässt sich nicht nachverfolgen. Fabian schaut deshalb in die kostenlose Google Search Console, die zeigt, für welche Keywords deine Seite organisch gefunden wird. Steigt diese Sichtbarkeit, steigt erfahrungsgemäß auch die in KI-Antworten.
Ja, aber noch nicht für jede. Seit dem 24. August 2026 zeigt OpenAI in Deutschland Anzeigen in der kostenlosen Version und im Go-Abo von ChatGPT, klar getrennt unter den Antworten. Buchen können sie vorerst nur große Agenturpartner, eine Self-Service-Lösung für kleinere Unternehmen soll später folgen. Laut OpenAI beeinflussen Anzeigen die Antworten selbst nicht. Ob du in der eigentlichen Antwort erwähnt wirst, bleibt also eine Frage von GEO.
Fabian rät zur Zurückhaltung. Er hat Experimente gemacht, in denen KI-Content gut rankt, kennt aber genauso viele Gegenbeispiele. Besonders vorsichtig ist er bei KI-Bildern, die Google seiner Erfahrung nach überhaupt nicht mag. Ein eigenes Foto, auch einfach mit dem Handy gemacht, ist deshalb oft die bessere Wahl. Und wenn der Inhalt gut ist, braucht es manchmal gar kein Bild.
Plane mit einigen Monaten, bis ChatGPT neue Inhalte verarbeitet hat, und bei Google teils mit einem bis anderthalb Jahren, bis organische Rankings greifen. Wer gerade erst startet, hat noch in keinem System Daten, und das ist völlig normal. Setz deshalb parallel auf schnellere Wege wie die direkte Ansprache deiner Zielgruppe oder ein kleines Werbebudget, damit du nicht so lange auf erste Anfragen warten musst.
Genau mit diesem Thema, wie du KI als echtes Werkzeug für dein Marketing nutzt, ohne dich in Technik zu verlieren, beschäftigen wir uns auch im Marketing KI Club. Im Oktober dreht sich dort alles um interaktive Tools für deine Website, ein Thema, das direkt an das anschließt, was Fabian im Gespräch beschrieben hat: eigene Signale schaffen, die Menschen zum Interagieren bringen.
Schau gerne vorbei, wenn du dranbleiben willst, während sich SEO und GEO weiter zusammen entwickeln.
Alles Liebe, Louisa & Sabrina


